Wie geht es jetzt weiter?

Jetzt frage ich mich grade:

Wo ist die orangene Maus, wo ist der blaue Elefant und wo ist der Mann aus dem Bauwagen? Ich brauche dringend jemanden, der mir die Welt erklärt.

Fragen über Fragen, fehlende Antworten, die mich quälen. Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm. Und manchmal bekommt man auf seine Fragen keine Antworten oder muss sehr lange und aufwändig selbst nach ihnen suchen. Das beschäftigt und zermürbt mich grade.

Gestern hatten ER (ich kann ihn nicht mehr „Hase“ nennen und alle Bezeichnungen, die mir jetzt ad hoc einfallen, würden wahrscheinlich zu einer Sperre im Gesichtsbuch führen, daher muss ich beizeiten einen neuen Namen finden – Vorschläge dürfen gerne eingereicht werden) und ich einen Termin zur Paar-Therapie. Dieser Termin war von ihm vor ca. drei Wochen geplant worden, als er noch Ambitionen hatte, unsere Ehe zu retten. Das war einen Tag bevor die „Chef-Schlampe“ (in Folgenden kurz CS genannt, was wirklich witzig ist, denn das sind ihre tatsächlichen Initialen und laut Definition ist die Schlampe eine Frau mit unmoralischem Lebensstil) ihm mit ihrem erneuten Liebesgesäusel buchstäblich den Verstand geraubt hat. So etwas scheint wirklich möglich zu sein, denn von vorhandenem Verstand ist tatsächlich nichts mehr zu merken. Ich hatte ihn gebeten, diesen Termin trotz der veränderten Ausgangslage mit mir gemeinsam wahrzunehmen, um mir die Möglichkeit zu geben, Antworten auf meine Fragen zu finden und wirklich nichts unversucht zu lassen.

Was soll ich sagen, der Termin war nach einer halben Stunde vorbei, ohne viele Antworten und ohne große, neue Erkenntnisse. Therapeuten können halt keine Paar-Therapie anbieten, wenn ein Teil des Paares nicht an einer Fortsetzung der Partnerschaft interessiert ist. Wie immer war ich diejenige, die geredet hat und Herr Glotzkowski hat meist nur dekorativ in der Ecke gesessen, sich das Näschen geschnäuzt, weil er ja auch so sehr unter der Situation leidet (okay, da kommt jetzt ein Hauch von Zynismus durch und dafür schäme ich mich grad ein bisschen) und auf Nachfrage angegeben, dass er sich EIGENTLICH sicher ist, diese Beziehung nicht fortsetzen zu wollen. Als Therapeut hätte ich mich an diesen „eigentlich“ gestoßen und nach dem „uneigentlich“ gefragt, aber es ist wohl müßig, sich daran zu klammern. Dieses „eigentlich“ müsste ER schon selbst hinterfragen, wenn er des Reflektierens mächtig und ein Funke Restverstand vorhanden wäre. Es bleibt abzuwarten, ob er sich die Mühe macht. Auch auf die entscheidende Frage, warum er mit dem, was er hat nicht glücklich ist, habe ich keine Antwort bekommen. Er hat ein tolles Haus, das gut bezahlbar ist, eine wunderbare Tochter, einen tollen Job, in dem er aufgeht, ein cooles Hobby, Sozialkontakte, ist gesund und hatte eine Frau, die alles für ihn getan hätte. Warum zur Hölle reicht ihm das nicht? Was passiert da in einem Menschen, dass er diese Dinge einfach nicht zu schätzen weiß? Wo kommt dieser unstillbare Drang nach MEHR her und ist so ein Wunsch überhaupt gerechtfertigt? Sollte man nicht dankbar sein, für das, was man hat? Er meint, er hätte in den ganzen schweren Zeiten, die wir durchgestanden haben, immer für mich stark sein müssen. Das war dann aber sein eigener Anspruch, den er an sich gestellt hat. Ich habe das allerdings nie von ihm verlangt, denn ich bin die letzte, die einem anderen keine Schwäche zugestehen würde. Im Gegenteil, hätte er mir seine Schwäche gezeigt, hätte ich zusätzliche Kräfte mobilisiert, um ihn wieder zu stärken. Scheinbar habe ich unsere Beziehung völlig anders wahrgenommen. Ich habe uns mit einem Schneeräum-Fahrzeug verglichen. Ich bin das Schild, dass den Dreck wegräumt, er der Steuermann im Hintergrund. Er bestimmt, wo es langgeht, ich mache den Weg dafür frei. Vielleicht war das die falsche Sicht und es war mein Fehler zu übersehen, wie sehr auch er unter den schwierigen Situationen gelitten hat. Mir hat es einfach Kraft gegeben, zu wissen, dass er da ist und hinter mir steht, ich hatte nie den Eindruck, dass ihn diese Position belastet und er dafür eine Stärke vortäuschen muss, die er eigentlich nicht hat. Merksatz für die Zukunft: Lass deine eigenen Sorgen und Probleme nicht den ganzen Raum einnehmen und behalte dein Umfeld im Blick! Aber reicht es aus, dass er jetzt argumentiert, er sei bei den ganzen Schwierigkeiten wohl auf der Strecke geblieben? Oder ist das lediglich eine Rechtfertigung? Ich sehe es immer noch so, dass wir gemeinsam das Ziel erreicht haben und jetzt eigentlich die Zeit gekommen wäre, um die Früchte zu ernten und das Leben gemeinsam zu genießen. Doch scheinbar hat er all die Kämpfe, Hindernisse, Probleme und Anstrengungen mit mir als Person verknüpft, so dass er dieses Leben, mich eingeschlossen, so nicht mehr will. Er scheint den Wendepunkt, den wir erreicht haben, nicht wahrzunehmen, flüchtet und lässt mich in einem Scherbenhaufen zurück, um sich einem neuen Leben in Leichtigkeit zuzuwenden, mit der CS, mit der er scheinbar diese Leichtigkeit verknüpft hat. Flucht ist leichter als Veränderung!

Ich habe mir in den letzten Tagen auch die Frage gestellt, wie es wohl andersherum gelaufen wäre. Nehmen wir einfach mal an, die Schlange hätte an meinem Paradies geklingelt und hätte mir den Apfel hingehalten. Stellen wir uns doch einfach mal vor, mir wäre im Aldi beim Einkaufen der Traumprinz auf dem weißen Pferd begegnet (der neue Aldi hat wirklich breite Gänge, also wäre das theoretisch möglich). Ein gutaussehender Mann mit echtem, vollem Haar (sorry, sogar ich habe gewisse Ansprüche) sagt: „Hey Ella, du bist eine tolle Frau, ich erkenne dein Wesen und deinen Wert. Ich bin ein millionenschwerer Chefarzt in einer Privatklinik. Ich werde dir die Welt und mein Geld zu Füßen legen, wenn du willst, kannst du in meiner Klinik arbeiten, soweit es deine Gesundheit zulässt. Du bekommst einen Gärtner, eine Putzfrau, einen Poolboy, kannst alles oder nichts tun. Du kannst Hunde züchten, Bücher schreiben, die Welt bereisen und ich werde dich für immer lieben und ehren und dich zu meiner Priorität machen. Mit mir wird dein Leben künftig leicht und sorglos sein.“ Was hätte ich getan? Vielleicht hätte ich kurz überlegt, vielleicht hätte ich gedacht, ach ja, das wäre wirklich schön. Aber dann hätte ich abgelehnt und gesagt: „Sorry, aber ich bevorzuge Camping in der näheren Umgebung und habe alles, was ich zum Glücklichsein brauche.“ Natürlich ist das jetzt alles sehr utopisch und wirklich beantworten kann man das nur, wenn man es tatsächlich erlebt hat. Aber ich denke, ich kenne mich selbst gut genug, um einzuschätzen, was ich getan hätte. Ich hätte es schlichtweg abgelehnt. Vielleicht hätte ich es gelegentlich bedauert, nicht durch diese Tür gegangen zu sein, die das Leben mir da geöffnet hat, besonders in Situationen, in denen es mal wieder nicht rund läuft, aber ich hätte dieses Angebot der Schlange niemals annehmen können, weil mir immer bewusst gewesen wäre, dass ich die mir wichtigsten Menschen damit schrecklich verletzt hätte. Ich würde nie wieder ruhig schlafen können. Lieber wäre ich kurzzeitig etwas weniger glücklich und zufrieden gewesen, als meinem Partner so sehr wehzutun und unsere Familienbande zu zerreißen. Aber so tickt halt jeder Mensch anders.

Ich wäre sehr dankbar, wenn ich einfach nur mein einfaches bisheriges Leben wiederhaben und genießen könnte. Meine Bescheidenheit hat mir vieles im Leben erleichtert und jetzt muss ich gucken, ob ich meine Ansprüche noch weiter zurückschrauben kann. Meine Perspektive ist alles andere als rosig. Reicht mir mein Leben am finanziellen Existenzminimum? Die Tatsache, dass ich mir nie wieder einen Hund werde leisten können? Reicht mir das Betrachten meiner Balkonpflanzen oder werde ich mein grade neu angelegtes Rosenbeet vermissen? Komme ich alleine durch meine nächtlichen Panikattacken? Ertrage ich es, nicht mehr Teil einer bis dahin wirklich tollen Partnerschaft zu sein? Werde ich mich in das, was die Zukunft mir bringt, einfügen können und zufrieden sein können? Ich habe selbst vor einiger Zeit die These aufgestellt, dass Glücklichsein eine Entscheidung ist, die man selbst treffen kann. Wird es mit gelingen, diese Entscheidung für mich selbst zu treffen? Im Moment bin ich meilenweit davon entfernt, diese Entscheidung überhaupt in Erwägung zu ziehen. Aktuell sehe ich die Welt und die Zukunft nicht grau, sondern rabenschwarz. Das ist aber ganz normal, sagte die Therapeutin gestern. Sie meinte, ich leide und ich kämpfe grade mit allen Mitteln gegen meinen Untergang. Mir ist überhaupt nicht aufgefallen, dass ich kämpfe, aber vielleicht hat sie recht und ich tue es unbewusst.

ER hat mir mit seinem Verhalten und seiner Entscheidung wirklich einen Großteil meines Lebens zerstört und komplett den Boden unter den Füßen weggerissen. Nahezu alles, wofür ich in den letzten zwanzig Jahren meine Kräfte investiert habe, ist für die Tonne gewesen. Viele verschwendete Ressourcen. Warum tut ein Mensch einem anderen so etwas an? Wie kann man nachts noch ruhig schlafen, in dem Wissen, einen anderen Menschen und dessen Leben so nachhaltig zerstört zu haben? Was oder WER kann einen Menschen in so kurzer Zeit dazu bringen, sich so zu verändern, alles infrage zu stellen und alles rationale Denken zu verhindern? Ich muss akzeptieren, dass er sich tatsächlich verändert hat, wahrscheinlich ohne Absicht. Aber dieser Mensch, der ER jetzt ist, gefällt mir nicht. Ich kann diesem Menschen grad keinerlei Achtung oder Respekt entgegenbringen. Charakterlich rangiert er für mich aktuell auf kaum messbarem Niveau, weil ich das, was er mir angetan hat, schlichtweg nicht verdient habe. Und der, der ER jetzt ist, hat mich nicht verdient. Momentan kann er froh sein, dass die netten Medis, die ich nehme auch verhindern, dass ihm sämtliche Haushaltsgegenstände einzeln und der Reihe nach an den Kopf fliegen.

Vielleicht hat ER aber die CS verdient und umgekehrt. Vielleicht sieht das Universum mehr als ich und bringt grad zwei Individuen zusammen, die sich verdient haben? Zwei Egoisten, die scheinbar immer nach Höherem streben und auf ihrem Weg zum Ziel einfach alles ohne Rücksicht auf Verluste niedertrampeln. Zwei Menschen, die ihre bisherigen Partner wie marode Kleidungsstücke entsorgen und durch was Frischeres ersetzen. Ich kann und will ihnen dabei aktuell kein Glück wünschen. Auch wenn ich im Grunde meines Herzens kein gehässiger Mensch bin, hoffe ich, dass Karma seine Arbeit tut und die beiden scheitern werden, aber so richtig, indem sie ihren Persönlichkeiten einfach mal selbst begegnen.

Ich muss mal eine Rechnung aufstellen…

Was mir genommen wurde:

  • Mein Haus! Ich werde es alleine nicht halten können. Und damit meine ich nicht das Haus als materiellen Wert, sondern dieses wunderbare Zuhause, dass wir uns gemeinsam geschaffen haben und in dem soviel Schweiß und Herzblut steckt. Eine Wohlfühloase, in der man zur Ruhe kommen und Kraft tanken kann, mit einem Garten, der zwar auch Arbeit kostet, aber in seiner Nutzung und Betrachtung Freude bereitet. Im Eingangsbereich hing ein Schild, auf dem stand: „Love makes a house a home!“ Dieses Schild habe ich in den Müll geworfen.

 

  • Die glückliche Familie. Für mich war es ein pures Glücksgefühl, sogenannte „Quality-Time“ gemeinsam mit meinem Mann und unserer Tochter zu verbringen. Gemeinsame Mahlzeiten einzunehmen, oder jetzt, wo das Kind schon erwachsen ist, Zeit mit meinem Mann zu verbringen. Gemeinsame Puzzleabende, einen Film schauen, eine Radtour, ein Urlaub, Zeit für Zärtlichkeiten, Zeit mit Freunden.

 

  • Die Gelegenheit, zu heilen. Wir haben im letzten Jahr unser komplettes Leben umgestellt. Zum einen, damit ich an meiner psychischen und physischen Gesundheit arbeiten kann und zum anderen, damit wir beide mehr gemeinsame Zeit haben, um uns und die schönen Dinge des Lebens genießen zu können. All das fällt jetzt weg. Ich war auf einem so guten Weg. Mir ging es körperlich und psychisch so viel besser und ich habe mich so auf die Zukunft gefreut. Jetzt hat ER all diese Erfolge zunichte gemacht. Anfangs habe ich die Fibro-Schmerzen nicht gespürt, da sie durch die seelischen Schmerzen komplett überlagert wurden. Jetzt, wo ich diese netten Tropfen nehmen muss, die verhindern, dass ich „Dummheiten“ mache und die den Seelenschmerz in Schach halten, sind die Fibro-Schmerzen in vollem Umfang wieder da und auch die Erschöpfung nimmt wieder kontinuierlich zu. Dann lag die Besserung wohl nicht an den Schilddrüsen-Medikamenten, sondern an dem ganzen Stress, der von mir abgefallen war, der gegebenen Möglichkeit zur Regeneration und dem sehr kurzen Moment, wo ich mich der Illusion einer glücklichen Zukunft hingeben konnte.

Das sind die drei Grundpfeiler meines Lebens, die für mich „Glück“ bedeuten. Diese hat ER zum Einsturz gebracht. Punkt! Und wenn ich jetzt aktuell das völlig verbitterte Häufchen Elend bin, ich aktuell ein „Gesicht zeige, dass er überhaupt nicht von mir kennt“, dann ist das das Resultat seiner Handlung, wofür ER die Verantwortung trägt.

Was mir bleibt:

  • Unsere Tochter, die ich wirklich über alles liebe und für die ich weiterkämpfen muss, weil ich als Mutter eine Verpflichtung und ein Versprechen eingegangen bin, meinem Kind nicht wissentlich zu schaden und sie ihr Leben lang bestmöglich zu beschützen.
  • Mein Seelenhund. Mein alter, kranker Seelenhund, der monatlich Unmengen an Futter und Medikamenten verschlingt und wo ich auch noch nicht weiß, wie das finanziell in Zukunft zu stemmen sein wird. Aber dieser Hund gibt so viel Liebe zurück. Von diesem Geben bedingungsloser Liebe könnten sich viele Menschen mal eine Scheibe abschneiden. Er kommt zu mir, wenn ich weine, um mich zu trösten und schickt mir Sonnenstrahlen in mein total gebrochenes Herz.

 

  • Mein Körper, eine Hülle mit gebrochenem Herzen und gebrochener Seele, der aber, wenn ich die Kraft dazu finde, vielleicht wieder mit Leben gefüllt werden kann. Ich werde nie wieder Dieselbe sein, da werden Narben zurückbleiben. Dennoch schließe ich es nicht mehr grundsätzlich aus, etwas Neues zu kreieren.

 

Diese Aufstellung lässt sich auf beiden Seiten bestimmt noch beliebig erweitern. Das was mir bleibt muss jetzt aber einfach als Motivation zum Weiterkämpfen ausreichen, auch wenn ich grade nicht weiß, woher ich meine Kräfte ziehen soll. Ich bin so unendlich tief verletzt, aber allmählich auch unendlich wütend auf einen Hasen, der zum Arschloch wurde und das Schicksal, das mir jetzt schon wieder solche Steine in den Weg legt. Wütend darauf, dass die hart erkämpften Fortschritte und das Erreichen des Ziels so massiv zunichte gemacht wurden. Es bleiben so viele Fragen, womit ich das verdient habe, welcher Sinn und Zweck dahintersteckt. Mir hilft es immer, wenn ich Antworten auf Fragen finde, aber jetzt muss ich mich fragen, ob das Suchen nach Antworten nicht vielleicht zu viele Energien sinnlos verschwendet und ich einfach akzeptieren muss, was das Leben mir da grad vor die Füße schmeißt. Ich muss einen Weg finden, um wieder auf die Beine zu kommen. So oder so. Die ganze Situation triggert natürlich auch wieder die ganzen Selbstzweifel, die noch immer durch den narzisstischen Missbrauch in mir haften. Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden. Ich habe mich nicht genug angestrengt, damit es funktioniert. Ich kann meinen Partner nicht glücklich machen. Und so weiter, und so fort. Natürlich weiß ich rational, dass das alles so nicht stimmt, aber dennoch ist es das, was sich aktuell an Gefühlen einschleicht.

Nun bin ich aber selbst gespannt, wie meine Geschichte weitergeht. Ihr werdet von mir hören! So, oder so! Liebe Grüße….Eure Ella!

 

 

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