Am frühen Morgen…

Samstags morgens, 4:54 Uhr….ich bin wach, hellwach, mein Kopf arbeitet seit der Minute des Aufwachens um 04:30 Uhr auf Hochtouren, mein ganzer Körper schmerzt, psychischer und physischer Schmerz. Das Bett ist nass, ich habe geschwitzt, was ich eigentlich selten tue. Ich schwitze noch immer, aber eigentlich ist mir kalt, sehr kalt. Mein Kissen ist nass, mein Gesicht ist nass, ich weine. Es ist ein Auf und Ab. Ich bin gestern Abend weinend eingeschlafen und ebenso weinend aufgewacht. Ich glaube, ich habe auch während des Schlafens geweint. Es sind nicht mehr diese krampfartigen Zusammenbrüche, die es anfangs waren, bei denen mein ganzer Körper durchgeschüttelt wurde bis hin zur Atemnot oder Würgeanfällen. Es sind einfach die Tränen, die laufen und laufen und laufen…..

Ich bekomme grad wirklich viel Unterstützung, mehr, als ich je gedacht habe. Von Menschen, von denen ich es überhaupt nicht erwartet habe. Andere lassen mich fallen, haben ein Problem damit, dass ich mich in meiner Verletzlichkeit und auch in meiner Wut zeige, auch gut. Es enttäuscht mich nicht, es war zu erwarten, in der Krise zeigt sich der Charakter. Diese Unterstützung tut mir gut, sie baut mich auf, ich freue mich darüber und kann sie wirklich annehmen. Also habe ich mich in der letzten Zeit weiterentwickelt. Ich kann Lob annehmen, ohne mir zu sagen, dass ich es nicht verdient habe oder die Menschen es bestimmt nicht ehrlich meinen.

Aber diese Weiterentwicklung wird dennoch grade zu einem Problem für mich, denn auch da war ich an einem Zielpunkt angekommen. Es waren nicht nur die physischen Ziele wie die Renovierung des Hauses, eine finanzielle Ordnung eine Veränderung des Lebensstils. Ich hatte auch ein Ziel erreicht, was meine psychische Gesundheit anging, was mir ungeahnte Möglichkeiten eröffnet hätte. Ich war am Ziel meiner Träume, ich war da angekommen, wo ich hinwollte, ich war die, die ich sein wollte (oder zumindest nah dran). Und ich durfte leider nur ganz kurz an meinem Glück schnuppern und den Moment genießen.

Hätte, hätte, Fahrradkette….!

Auch das gehört mit zu den Dingen, die ich nun wieder verloren habe. Nicht nur das Greifbare, wie meinen Partner, mein Zuhause, meine finanzielle Sicherheit, sondern auch in meiner gesundheitlichen Entwicklung bin ich um viele Meilen zurückgeworfen worden. Ich stehe wieder ganz am Anfang eines neuen Weges, den ich gar nicht gehen möchte.

Und dann ist mir heute Morgen um 04:45 beim ersten Kaffee und der ersten Zigarette etwas sehr klar geworden. All das Negative, was sich in meinem Leben entwickelt hat, die Fibromyalgie, die Ängste, die Schmerzen, die Zusammenbrüche….All das ist entstanden dadurch, dass ich immer getan habe, was von mir verlangt oder erwartet wurde, oder von dem ich glaubte, dass es von mir verlangt oder erwartet wurde. Es ist dadurch entstanden, dass ich immer für oder gegen etwas gekämpft habe und zwar immer über meine eigentlichen Belastungsgrenzen hinaus. Das war nicht richtig und hat mir enorm geschadet.

Und das ist genau das, was ich grade wieder mache. Mein Umfeld und die Gesellschaft erwarten grade von mir, dass ich jetzt kämpfe, dass ich stark bin, dass ich durchhalte, ertrage, mich zusammenreiße und weitermache, Schritt für Schritt. Sie wollen vielleicht das Beste für mich, aber sie wollen auch das Beste für sich, damit sie sich keine Sorgen um mich machen müssen, damit sie sich nicht verantwortlich fühlen müssen, damit sie nicht mit etwas belasten müssen, das sie vielleicht nicht ertragen können. Und ich möchte natürlich, wie immer, keine „Belastung“ für jemanden sein. Ich war ja schließlich als Kind schon eine „Belastung“. Das ist noch einer von den alten, fest verankerten Glaubenssätzen, die ich eigentlich auflösen wollte. Das alles ist jetzt wieder da. ICH WILL DAS NICHT! Ich fühle mich wieder ferngesteuert, in dem ich versuche, das Leben zu leben, das andere von mir erwarten und ich merke, dass mich das wieder in die Überlastung bringt und mir nicht guttut. Ich handle gegen meinen Willen!

Und wieder drehe ich mich im Kreis und finde den Notausgang nicht. Ich versuche, mir eine zwingende Notwendigkeit einzureden. So, als wenn man in einer langen Reihe an der Supermarktkasse steht. Das will man auch nicht, diese Wartezeit, die verschwendete Zeit. Aber wenn man durchgehalten hat, dann kann man sich genüsslich über die Chips und Schokolade hermachen, die man sich grad gekauft hat. Aber die Durchhalteparolen, die ich mir grade selbst einzureden versuche, kommen nicht in meinem Kopf an. Ich weiß ganz klar, was ich nicht will. Ich will nicht mehr kämpfen! Ich finde nichts, wofür es sich lohnen würde, mich wieder mal anzustellen, abzuwarten, durchzuhalten. Ich hatte mein Ziel erreicht und ein neues eröffnet sich mir grade nicht. Und ich weine noch immer.

Ich weiß, dass ich mich umschauen sollte. Ich weiß, dass sich dann neue Ziele ergeben werden. Aber meine Augen sind müde, meine Sinne sind müde, ich bin müde. Ich lege mich jetzt hin und warte….Warte darauf, dass mir irgendwer oder irgendwas einen „Red Bull“ besorgt. Denn „Red Bull“ verleiht Flüüüüügel und Ella will immer noch fliegen.

 

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